Unreformierte Photographie

Aesthetik des Verzichts

Zuwachs

"Go big or go home" lautet das Sprichwort.

Angefangen habe ich mit 10x12cm Tintypien, in einer eigens dafür umgebauten 4x5" Planfilmkassette – die sich weiterhin bewährt. Die Kamera ist eine Holz- und Messingkonstruktion aus Indien, schön anzusehen, etwas klapprig aber grundsätzlich absolut zweckmäßig.

Dann habe ich in einer naheliegenden Fotobörse ein Rückteil für eine Linhof Kardan in der Größe 13x18, bzw 5x7", gefunden, und spontan gekauft. Es schwebte mir vor, mir eine Kamera zu bauen, aus einer hölzernen Aufbewahrungskiste aus einem bekannten schwedischen Möbelhaus, welches auch – ohne es zu wissen – ein weiteres umfangreiches Angebot an Photo- und Dunkelkammerzubehör anbietet.

Dann habe ich dieses neue Rückteil allerdings gegen die Rückwand der indischen Kamera gehalten und festgestellt, daß es perfekt passt: meine hübsche Chandini (so nenne ich sie) war nicht nur eine 4x5" Kamera; sondern auch eine 5x7"! Mit einem Schweißdraht und etwas Gekniffel wurde ein Haltebügel bewerkstelligt, der es ermöglicht hat, das große Rückteil an der Kamera zu befestigen, ohne die Kamera umbauen zu müssen. 

Also habe ich wieder das Werkzeug rausgekramt und eine 13x18cm Planfilmkassette zu einer Plattenkassette umgerüstet (details dazu in einem späteren Artikel). Da 13x18cm eine gängige Bilderrahmengröße ist, war Materialbeschaffung überhaupt kein Problem. 

Mit diesem Gespann bin ich auch nach Namibia gereist. 13x18cm balanciert wunderbar zwischen einer prächtigen Größe und doch einer gewissen Reisetauglichkeit, die erst recht in der Wüste nicht zu unterschätzen ist. Objektive sind auch zu finden, und auch recht bezahlbar, was auch von Vorteil ist.

Aber der Mensch schaut immer gerne über den Zaun und begutachtet den dortigen Rasen und hält ihn für grüner. Und so blätterte ich in der Photographica Abteilung eines online-Auktionshauses und fand sie: eine Reisekamera, Baujahr ca. 1900, für die Größe 18x24cm, mit Plattenkassette. Preis in Ordnung, Zustand OK. Kein Objektiv, aber dafür hortet man ja Objektive aus dem Ramschladen...

Sie ist – Altersbedingt – nicht mehr wirklich reisetauglich. Dafür ist sie etwas zu klapprig, und die Strapazen einer Afrikareise würde ich dem schönen alten Ding nicht antun wollen. Aber ein reines Sammlerstück ist sie auch nicht!

Zunächst habe ich ein Projektionsobjektiv von einem Liesegang-Episkop montiert. Funktioniert wunderbar, und ich habe damit auch gleich Portraits gemacht:

V18x24cm clear glass ambrotype.

... Allerdings ist das große Liesegang Objektiv sehr schwer. Also habe ich mir einen Adapter gebaut, mit dem ich meine anderen Objektive montieren kann, ohne jedes mal die Objektivplatine wechseln zu müssen:

Nun bin ich also in der Lage, auch aufwändigere Stilleben anzufertigen, die ich durch mehrfach-blitzen erst überhaupt ausgeleuchtet bekomme. Das folgende Bild wurde 14-mal angeblitzt!

I'll Shoot the Moon... right out of the sky for you baby.

Natürlich habe ich nicht die kleinen Bilder vergessen: die prächtigen kleinen Schmuckstücke für die Wand, den Schreibtisch oder die Vitrine. Aber nichts — gar nichts — ist in der Lage, die schiere Präsenz einer großen Platte zu ersetzen.

Ist 18x24cm das Nonplusultra?

Natürlich nicht. Der Zaun ist immer noch da, und das Gras ist woanders nach wie vor hartnäckig grüner.